Jeanies Trübsal
Ludwig van Beethoven
Als William jüngst mich schmähte,
Da schalt ich, zürnte sehr,
Doch bald mein Zorn verwehte
Und sieh, da zürnte er!
Nun kommt an mich die Reihe!
Was liebend ich gefehlt,
Nennt er Verrat der Treue
Und zankt, und schilt und schmält.
Drum, muß ich jetzt ihm nahen,
Spricht Kaltsinn nur mein Blick,
Es raten, die uns sahen:
Ihn fliehen, sei mein Glück.
Nicht darf an Kirmestagen,
Nicht, wo der Weißdorn steht,
Ich guten Tag ihm sagen,
Wenn er vorüber geht.
Nicht in der Kirch'ihn schauen,
Fest auf mein Buch nur sehn:
Doch mit gesenkten Brauen
Stehl' ich manch Blicken schön.
Ach, währt der Kampf noch lange,
Natur erträgt ihn nicht!
Mein Herz vergeht so bange
Und Glück lügt mein Gesicht.
Blieb treu dein frommes Lieben,
Kein Zweifel drohet mir,
Wie würd'es dich betrüben,
Sähst du die Träne hier!
Im eignen, treuen Herzen,
Zu sorglos, ohne Arg,
Entdeckst du alle Schmerzen,
Die Jeanie dir verbarg.