O grausam war mein Vater
Ludwig van Beethoven
O grausam war mein Vater
Der mir sein Haus verschloß!
Die Mutter, die es zusah,
Wie ich in Schmerz zerfloß!
Und grausam ist der Winterwind,
Der Eis ans Herz mir blies!
Doch grausamer als all'ist er,
Der mich um Gold verließ!
Husch, husch! Mein süßes Kindlein,
Wärm dich an meiner Brust!
Nicht ist wohl deinem Vater
All unsre Not bewusst,
Denn grausam wie er ist,
Wüßt' er nur, wie uns es geht:
Es schirmte uns sein Arm,
Wenn so scharfer Nordwind weht.
Kalt, kalt! Mein liebstes Kleinod!
Dein kleines Leben schwand!
Leb auf von heißen Tränen,
Die Muttertreu' versandt!
Doch weh mir, weh! Der glüh'nde Strom
In rinnen schon gefror.
O unglücksel'ge Mutter,
Die hir Alles nur verlor!
Verzweifelnd sank sie nieder
In den getürmten Schnee,
Und rang in Todesängsten,
Und jammert'laut ihr Weh.
Sie küßt' den bleichen Mund,
Legt' das Kindlein neben sich,
Erhob den Blick zu Gott,
Neigte dann ihr Haupt, erblich.