O Zaub'rin, leb wohl
Ludwig van Beethoven
Leb wohl, o du Zaub'rin,
In zärtliche Bande
Süß verlockt, hab' ich Nacht oft
Den Wald noch durchstreift,
Daß der Waidmann erstaunt',
Wenn im dornigen Lande
Der sinnende Knabe
Im Dunkeln geschweift.
Leb wohl! Dich geleite
Dein liebendes sprechen,
Die Worte so wechselnd
In Wonn'und in Weh!
Ein zärtliches Herz nur,
Das Liebe will brechen,
Versteht meine Qual,
Daß ich dich nicht mehr seh'!
Du mehrtest die Freude,
Und kamen auch Sorgen,
Schien mir düster mein Pfad
Rings mit Dornen bestreut,
Sang dein Stimmchen so milde,
So freundlich von morgen,
Schnell schwand vor den Tönen
Das bittere Heut'.
Doch wenn um uns her matt
Die Liebsten erliegen,
Wenn Alter und Kummer
Des Lebens Last drückt,
Kannst lindernd und tröstend
Den Schmerz du besiegen,
Der stumm auf das Grab
Der Entschlafenen blickt?
Du lehrtest mich einmal
Im klagenden Tönen
Von dem Krieger das Lied,
Der im Felde lag tot,
Welchen schmerzvoll umschlungen
Die treu'ste der Schönen
Und fruchtlos den stärkenden
Becher ihm bot!
So machtlos dein Zauber,
O Herrin der Schmerzen,
Wenn starben im Herzen
Die Glutphantasien:
Die Glut deines Barden
Erlosch in dem Herzen,
Drum Zaub'rin, leb wohl!
Ich muß ewig dich fliehn!