Sehnsucht

Ludwig van Beethoven

Die stille Nacht umdunkelt

Erquickend Tal und Höh',

Der Stern der Liebe funkelt

Sanft wallend in dem See.

Verstummt sind in den Zweigen

Die Sänger der Natur;

Geheimnisvolles Schweigen

Ruht auf der Blumenflur.

Ach, mir nur schließt kein Schlummer

Die müden Augen zu:

Komm, lindre meinen Kummer,

Du stiller Gott der Ruh!

Sanft trockne mir die Tränen

Gib süßer Freude Raum,

Komm, täusche hold mein Sehnen

Mit einem Wonnetraum!

O zaubre meinen Blicken

Die Holde, die mich flieht,

Laß mich ans Herz sie drücken,

Daß edle Lieb' entglüht!

Du Holde, die ich meine,

Wie sehn' ich mich nach dir;

Erscheine, ach, erscheine

Und läche Hoffnung mir!