Sympathie

Ludwig van Beethoven

Was, Julia, sagt der Blick voll Gram,

Der Seufzer tief und bange!

Sieh! Schnell wie Morgenröte kam

Und floh die Glut der Wange.

Warum seh' ich im sanften Aug',

Das Frohsinn sonst geschimmert,

Ein stummes Tränchen, das im Hauch

Des Flackerlichtes flimmert?

Vertrau mir, was die Brust dir engt!

Vielleicht ein Ungetreuer?

Drum welke nicht, von Tau getränkt,

Sinkt ros' und hebt sich neuer!

O Jlia, gern will ich bereu'n

Mein raues Wort und Wähnen!

Dein Kummer schwinde! Er allein

Lobpreist und schilt mein Sehnen.

Ach, nur zu tief hab' ich gekannt

Verborgne Lebenswunden!

Die Seele halten sie gebannt

An einem Schmerz gebunden.

Vergib! Umsonst dies arme Herz

Dich zu erheitern dachte;

Die Träne zeugt, wie Laun' und Schmerz

Dich mir nur teurer machte!