Liebe und Freundschaft

L. Berger

Welcher Gott entflammt die Brust

Heut' in unserm Kreise;

Jeder ist der Himmlischen

Werth, daß man ihn preise.

Einen hab' ich still erkannt,

Und bezeichn' ihn leise;

Er geleitet herrlich uns

Auf der Lebensreise.

Er gebietet unumschränkt

Weit in allen Landen,

Fesselt, was sich feindlich flieht

Fest in goldnen Banden;

Und am liebsten wohnt er da,

Wo sich Herzen fanden;

Wo ihm zwei versammelt sind,

Ist auch er vorhanden.

Freunde sind durch ihn beim Mahl

Froh und guter Dinge,

Jeder weiß, wo lieblicher

Ihm das Glas erklinge;

Wer geheim bei Tanz und Spiel

Bunte Reihen schlinge,

Und warum ein trunknes Lied

Ihn als Gott besinge.

Völker schließen Freundesbund,

Die sich lange mieden,

Und statt Blutes wird der Zwist

Durch ein Wort entschieden.

Vor dem einen mächt'gen Gott

Muß der Zorn versieden,

Und nach langem Hasse folgt

Liebe, Freude, Frieden.

Ewig knüpft der Menschen Thun

Er durch zart Getriebe,

Und man schöpft ohn' seine Gunst

Wasser mit dem Siebe.

Freundschaft ist ein armes Gut

Keimt sich nicht in Liebe,

Und erstorben wär' das Herz,

Wenn nicht Liebe bliebe.

Hoch am lichten Himmel steht

Bunt der Farbenbogen,

Und durch seine Mitte kömmt

Taubenschaar geflogen,

Und vom milden Abendstern

Wird das Herz gezogen.

Wer dem Himmlischen vertraut,

Hat sich nie betrogen.