Vaters Waldlied

L. Berger

Es thät ein Reh in Morgenroth

Durch Buch' und Birken zieh'n;

Es kannte weder Sorg' noch Noth,

Der Wald war ja so grün!

Ein arglos Reh,

So weiß wie Schnee,

Juchhe! --

Jetzt zieht das Reh nicht mehr!

Das Rehlein zog zum frischen Quell,

So fröhlich und so rein,

Besah die Äuglein groß und hell

In Wassers Wiederschein;

Ein arglos Reh,

So weiß wie Schnee,

Juchhe! --

Jetzt zieht das Reh nicht mehr!

Das Rehlein zog erquickt zurück

Zum dunkeln Waldesraum; --

Und siehst du nicht mit tück'schem Blick

Den Schütz am Tannenbaum?

Du arglos Reh,

So weiß wie Schnee,

Ach weh! --

Jetzt zieht das Reh nicht mehr!

Und siehst du nicht das Todesrohr,

Der Mündung schwarzen Kreis?

Das Rehlein, fröhlich nach wie vor,

Wie Schnee so rein und weiß,

Kennt nimmer List --

Hilf, Jesu Christ!

Ach weh!

Ein Blutstrom färbt den Schnee!