An den Mond

W. Berger

Nun kommst du, lieber Mondenschein,

Mit deiner weißen Hand,

Und schlingst um Tal und Flug und Hain

Dein leuchtend Silberband.

Da steigt die lose Nixenschar

Aus dem kristallnen Haus,

Und wäscht ihr langes Seidenhaar

In deinem Schimmer aus.

Wohl kommst du deiner Schwester nicht

An Liebesblicken gleich,

Doch ist dein edles Angesicht

An Schönheit überreich.

Es kann in deine Augen tief

Ein jeder gerne schau'n,

Und, was geheim im Herzen schlief,

Dir können wir's vertrau'n.

Du plauderst keine Bitte aus,

Du lächelst nur dazu,

Du ziehest hin von Haus zu Haus,

Bringst allen süße Ruh'.

Auch wenn wir schlafen, bist du wach,

Schleichst in den kleinsten Raum.

Und trägst in deinem Mantel nach

So manchen Wonnetraum.

Drum lieb' ich dich, du Mondenschein,

So über alles sehr,

Du schwimmst am Himmel still und rein

Und, wenn mein letzter Abend naht,

Vollendet ist mein Lauf.

Dann nimm du, treuer Kamerad,

Mich in den Schiffchen auf.