Das Gunnarslied

W. Berger

Gunnar, der Kämpe, schoß, da sprang

Ihm an seinem Bogen der Strang.

"Halgerd, zeige nun, wie du mich liebst,

Damit, daß du eine Locke mir giebst."

"Melde mir, warum ich missen sollt'

Haar meines Haupts, das so lang und gold?

War es mir immer die größte Zier,

Wozu begehrest du's? Sag' es mir!"

"Feinde folgen; zu ihrem Empfang

Gieb es, sonst wird es mein Untergang.

Gieb mir zum Bogen des Hauptes Haar,

Wachsend nahet sich schon die Gefahr!"

-- "Nun denn, nach Allem, was mir widerfuhr,

Flehst du umsonst um ein Löschen nur.

Noch nicht Hab' ich's verschmerzt genug,

Wie deine Hand auf die Wange mich schlug."

"Halgerd, so soll man durch alle Lande

Lang' deß gedenken zu deiner Schande."

Bitterlich weinet die Mutter: "Mein Haar,

Nimm es und rette dich aus der Gefahr!"

"Niemals! Eh falle dem Feinde mein Haupt,

Ehe man dich eines Härchens beraubt!"