Der todte Soldat

W. Berger

Auf ferner fremder Aue

Da liegt ein todter Soldat,

Ein ungezählter, vergess'ner,

Wie brav er gekämpft auch hat.

Es reiten viel Generale

Mit Kreuzen an ihm vorbei;

Denkt keiner, daß der da lieget,

Auch werth eines Kreuzleins sei.

Es ist um manchen Gefall'nen,

Viel Frag' und Jammer dort,

Doch für den armen Soldaten

Gibt's weder Thräne noch Wort. -

Doch ferne, wo er zu Hause,

Da sitzt, beim Abendroth,

Ein Vater voll banger Ahnung,

Und sagt: »Gewiß, er ist todt!«

Da sitzt eine weinende Mutter,

Und schluchzet laut: »Gott helf'!

»Er hat sich angemeldet:

»Die Uhr blieb steh'n um Elf!«

Da starrt ein blasses Mädchen

Hinaus in's Dämmerlicht:

»Und ist er dahin und gestorben,

»Meinem Herzen stirbt er nicht!« -

Drei Augenpaare schicken,

So heiß es ein Herz nur kann,

Für den armen, todten Soldaten

Ihre Thränen zum Himmel hinan.

Und der Himmel nimmt die Thränen

In einem Wölkchen auf,

Und trägt es zur fernen Aue

Hinüber im raschen Lauf;

Und gießet aus der Wolke die Thränen

Auf's Haupt des Todten als Thau,

Daß er unbeweint nicht liege

Auf ferner, fremder Au.