Haidenacht
W. Berger
Wenn trüb das verlöschende letzte Roth
Herschimmert über die Haide,
Wenn sie liegt so still, so schwarz und todt,
So weit du nur schauest, die Haide,
Wenn der Mond steigt auf und mit bleichem Schein
Erhellt den granitnen Hünenstein,
Und der Nachtwind seufzet und flüstert darein
Auf der Haide, der stillen Haide --
Das ist die Zeit, dann mußt du gehn
Ganz einsam über die Haide,
Mußt achten still auf des Nachtwind's Wehn
Und des Mondes Licht auf der Haide:
Was nie du vernahmst durch Menschenmund,
Uraltes Geheimniß, es wird dir kund,
Es durchschauert dich tief in der Seele Grund
Auf der Haide, der stillen Haide.