Morgensehnsucht

W. Berger

Sie schwebt empor, und Glanz und Wonne

Durchzückt ihr weites Wanderzelt!

Berührt vom Strahlenkuß der Sonne

Wacht auf und wächst die ganze Welt.

Im Morgenhauch, in Morgengluthen

Wie schwillt das Herz so sehnsuchtsvoll!

Es möchte jauchzend überfluthen

Und weiß nicht, was es stammeln soll.

Die Wöklein, die so hold erblühen,

Sie tauchen all ins volle Licht

Und schmelzen freudig und verglühen

Vor ihrer Herrin Angesicht.

Und meine Seele schlägt die Schwingen

Und möchte weit, unendlich weit

Auf goldnen Strahlengleisen dringen

In lautre Lichtesseligkeit.