Nixenreigen

W. Berger

Märchenartig aus den Wassern

Ragt die alte Schloßruine

Und der Silberschein des Mondes

Zittert durch die Fensterbogen.

Sommernacht so lau und milde

Dehnt sich über Land und Wasser,

Wonnevolle Blüthendüfte

Hauchen Balsam von dem Ufer.

Und aus ihrem Wogenbette

Tauchen leise auf die Nixen

Mit den goldnen Lockenhäuptern,

Weiß umkränzt von Wasserlilien.

Horch! ein Huschen und ein Plätschern

Und es schweben und es klingen

Wunderbare Harfentöne

Zum Gesang von holden Stimmen.

Silberweiße Luftgewänder

Flattern leis im Mondenglanze

Und so schlingen sie den Reigen

In des alten Schlosses Trümmern.

Plötzlich hält der Reigen stille

Und es winkt die zarte, bleiche

Königin, die lilienschöne, --

Denn es naht der junge Morgen.

Und die schönen holden Nixen

Tauchen in die tiefen Fluten;

Traurig neigen sich die Weiden

Von dem Ufer in die Wellen.

Und der Tag erhellt die Trümmer;

Traurig schaun sie aus dem Wasser,

Und aus den verfallnen Mauern

Blickt die Pracht verschollner Zeiten.