Sommernacht

W. Berger

Der laute Tag ist fortgezogen

Es kommt die stille Nacht herauf

Und an dem weiten Himmelsbogen

Da gehen tausend Sterne auf

Und wo sich Erd' und Himmel einen

In einem lichten Nebelband

Beginnt der helle Mond zu scheinen

Mit mildem Glanz ins dunkle Land.

Da geht durch alle Welt ein Grüßen

Und schwebet hin von Land zu Land

Das ist ein leises Liebesküssen

Das Herz dem Herzen zugesandt

Das im Gebete aufwärts steiget

Wie gute Engel, leicht beschwingt

Das sich zum fernen Liebsten neiget

Und süße Schlummerlieder singt.

Und wie es durch die Lande dringet

Da möchte Alles Bote sein

Ein Vogel es dem andern singet

Und alle Bäume rauschen d'rein

Und durch den Himmel geht ein Winken

Und auf der Erde nah und fern

Die Ströme heben an zu blinken

Und Stern verkündet es dem Stern.

O Nacht, wo solche Geister wallen

Im Mondenschein, auf lauer Luft

O Nacht, wo solche Stimmen schallen

Durch lauter reinen Blütenduft

O Sommernacht, so reich an Frieden

So reich an stiller Himmelsruh'

Wie weit zwei Herzen auch geschieden

Du führest sie einander zu!