Traute Heimath meiner Lieben
W. Berger
Traute Heimat meiner Lieben,
Sinn' ich still an dich zurück,
Wird mir wohl; und dennoch trüben
Sehnsuchtsthränen meinen Blick.
Stiller Weiler, grün umfangen
Von beschirmendem Gesträuch,
Kleine Hütte -- voll Verlangen
Denk' ich immer noch an euch.
An die Fenster, die mit Reben
Einst mein Vater selbst umzog;
An den Birnbaum, der daneben
Auf das niedre Dach sich bog;
An die Stauden, wo ich Meisen
Im Hollunder-Kasten fing;
An des stillen Weihers Schleusen,
Wo ich Sonntags fischen ging.
Was mich dort als Kind erfreute,
Kömmt mir wieder leibhaft vor;
Das bekannte Dorfgeläute,
Wiederhallt in meinem Ohr.
Selbst des Nachts, in meinen Träumen,
Schiff' ich auf der Heimat See:
Schütt'le Äpfel von den Bäumen,
Wäss're ihrer Wiesen Klee;
Pflück' im Walde Heidelberen,
Wo ich einst im Schatten lag;
Lösch' aus deines Brunnens Röhren,
Meinen Durst am schwülen Tag.
Wann erblick' ich selbst die Linde
Auf den Kirchen-Platz gepflanzt,
Wo gekühlt vom Abendwinde
Unsre frohe Jugend tanzt:
Wann des Kirchthurms Giebelspitze,
Halb im Obstbaum-Wald versteckt,
Wo der Storch auf hohem Sitze
Friedlich seine Jungen heckt?
Traute Heimat meiner Väter,
Wird bei deines Friedhofs Thür
Nur einst, früher oder später,
Auch ein Ruheplätzchen mir!