Volksweise

W. Berger

I.

Was ist es mit dem Leben

Doch für 'ne arge Not,

Muß leiden und muß sterben

Zuletzt den bittern Tod.

Kam ich doch auf die Erden

Ganz ohne Wunsch und Will',

Ich weiß es nicht von wannen,

Und kenn' nicht Zweck noch Ziel.

Es tritt die bunten Auen

Nur einmal unser Fuß,

Für kurze Zeit nur tauschen

Wir Händedruck und Gruß.

Und was uns auch von Freuden

Und Leiden zugewandt,

Das mehret und das mindert

Sich unter Menschenhand.

Drum lasset uns in Freundschaft

Einander recht verstehn

Die kurze Strecke Weges,

Die wir zusammen gehn.

II.

Wie vieler deiner Freuden

Hab' ich umsonst geharrt,

Wie wenig deiner Leiden

Hast du mir, Welt, erspart!

Die einen wie die andern

Ich hätt' sie gern gemißt,

Weil doch ein planlos' Wandern

Das arme Leben ist.

Und ruhen wir am Ziele

Im tiefen Erdenschoß,

Dann gleichen ihre Spiele,

Wer darbte, wer genoß.

Verderbet nicht den einen

Der Freuden frohen Schein

Und seht ihr andre weinen,

Verschärfet nicht die Pein.

Daß keine wehmutreiche

Erinn'rung euch betrübt,

Und man an euch die gleiche

Geduld und Treue übt!