Wellen blinkten durch die Nacht

W. Berger

Wellen blinkten durch die Nacht,

Blass der Mond am Himmel stand,

Mägdlein saß an Ufers Rand,

Hielt bei ihren Leinen Wacht,

Sang in leisen Melodein

In die weite Nacht hinein:

Bleiche, bleiche weisses Lein,

In des stillen Mondes Hut!

Bist du bleich, dann bist du gut,

Bist du bleich, dann bist du rein,

Bleiche, bleiche weisses Lein!

Bleich muss alles Ende sein.

Sonne gibt zu lichten Schein,

Läßt dem Herzen keine Rast;

Ist der Tag nur erst erblasst,

Wird das Herz auch ruhig sein.

Bleiche, bleiche weisses Lein!

Bleich muss alles Ende sein.

War ein töricht Mägdelein,

Rot und frisch mein Angesicht;

Rote Wangen taugen nicht,

Locken Unglück nur herein.

Bleiche, bleiche weisses Lein!

Bleich muss alles Ende sein.

Eile dich und bleiche fein!

Hab' ja treu gewartet dein;

Legt man mich ins Grab hinein,

Deck' in Frieden mein Gebein!

Bleiche, bleiche weisses Lein!

Bleich muss alles Ende sein!