Frühlingsglocken
Bernhard Ernst Scholz
Schneeglöckchen tut [läuten:
Kling -- ling -- ling]
Was hat das zu bedeuten? --
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut' geboren ward,
Ein Kind der allerschönsten Art;
Zwar liegt es noch im weißen Bett,
Doch spielt es schon so wundernett,
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd'
Und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all,
Erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!
Maiglöckchen tut [läuten!
Bim -- bam -- bam!]
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam:
Macht Hochzeit mit der Erde heut'
Mit großer Pracht und Festligkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
Und schwenkt die bunte Hochzeitfahn'!
Du Ros' und Lilie, [schmücket euch,
Brautjungfern sollt ihr werden gleich!]
Ihr Schmetterling'
Sollt bunt und flink
Den Hochzeitreigen führen,
Die Vögel musiciren!
Blauglöckchen tut [läuten!
Bim -- bam -- bim!]
Was hat das zu bedeuten? --
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut' nacht der Frühling scheiden muß,
Drum bringt man ihm den Abschiedsgruß:
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
Es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
Dazwischen singt mit süßem Schall
Aus jedem Busch die Nachtigall,
Und wird ihr Lied
So bald nicht müd',
Ist auch der Frühling schon ferne --
Sie hatten ihn alle so gerne!