Aus dem „Wintergarten” von Arnim

Bettina von Arnim, née Brentano

Ach hätt' ich nur kein Schiff erblickt,

So wär ich länger ruhig blieben,

Die Sehnsucht hat es hergeschickt,

Die Sehnsucht hat es fortgetrieben,

O Liebe willst du dich denn eines reichen Armen

Und freien Sclaven nicht zu rechter Zeit erbarmen.

Ich liebe was, und sag' es nicht,

Denn Eid und Tugend heißt mich schweigen,

Mein ganz verdecktes Liebeslicht,

Darf seine Flamme gar nicht zeigen,

Zum Himmel treibt es seine reinen hellen Strahlen,

Die Sonne ist ein Wiederschein von meinen Qualen.

Ein Fruchtbaum, der, von Früchten schwer,

Hängt seine Früchte zu der Erden,

Kommt starker Wind von Osten her,

Er kann nicht froh erschüttert werden,

Er stürzt herab die Früchte und die schwachen Blüthen,

Und meine Träume, die mir Nachts so herrlich glühten.

Den trägen Tag verfolgt der Mond,

Er athmet Ruh' auf alle Wesen,

Das Meer ist keiner Ruh' gewohnt,

Zur Unruh bin ich so erlesen,

Mein einzig Glück den Traum muß ich voraus schon hassen,

Im höchsten Glück wird er mich wiederum verlassen.

Concordia bleib' in Deiner Ruh',

Nie werd' ich Deine Eintracht stören,

Mein einzig Wohl und Weh bist Du,

Dir will ich ew'gen Frieden schwören,

O süßer letzter Augenblick, da darf ich sprechen,

Da wird der Liebe Strom durch Aug' und Lippen brechen.