Die dunkle Nacht

Bettina von Arnim, née Brentano

Entflammt von Liebesqualen,

Als rings die Nacht noch webte,

O Glück, das ich ersehnte,

Ging unbemerkt ich aus,

Als Ruhe schon befriedete das Haus.

Wohl auf geheimer Stiege

vermummt mit sicherm Schritte

ging durch des Dunkels Mitte,

o Glück! ich heimlich aus,

als Ruhe schon befriedete mein Haus.

O seligste der Nächte!

Verborgen sah mich keiner;

Mein Führer war nur einer,

ein Licht, durch das ich sah:

des Herzens Flamme, wies mir, was geschah.

Sie führte mich gewisser

denn Mittagssonnenfeuer

zur Stätte, wo mein Treuer

mein harrete allein,

in diese Stätte drang kein andrer ein.

O Nacht, so hold wie nimmer

das Morgenrot erscheinet,

o Nacht, die du vereinet

dem Bräutigam die Braut,

die umgewandelt sich in ihm erschaut.

Mein Herz ihm treu ergeben,

bewahrt zum Blumenbette,

war ihm ein' Schlummerstätte,

wo liebend ich ihn hielt,

indes die Zeder mit den Lüften spielt.