Nachtgefühl bei einer Rose

Bettina von Arnim, née Brentano

Ein Stern der Lieb' im Himmelslauf

Die offne Brust mit Glanz mir kühlt,

Ein Frühling warm im Herzen spielt,

Ein neues Röslein blüht darauf:

Du bist der Stern voll Lieb und Lust,

Dein Atem kühlet meine Brust,

Du bist der Frühling, der mich wärmt,

Der in des Herzens Blumen schwärmt.

Du hast die Ros' ans Herz gelegt,

So blühst du außen, blühst darin,

Die Frühlingskraft sich doppelt regt;

Das Röslein wächst und füllt den Sinn;

Ich schwebe in dem Liebesduft,

Unendlich scheint das Blau der Luft.

Ihr Sterne wähnt in Winternacht,

Daß ich von süßem Weine glüh?

O freut euch, wie ich einsam blüh,

Mein Herz bei einer Rose wacht;

Sie ist der Wein, von dem ich glüh,

Die ich tief atmend an mich zieh,

Sie ist von

Dir

der Liebesschein,

Du bist in ihr nun doppelt mein,

Gern tät sich Lust in Worten kund

So lebenswarm, wie Tropfen Blut,

Doch mir das Röslein schließt den Mund

Und tut da kühlend mir so gut,

Die Augen füllt ein süßer Drang:

O Liebestau, in Tränen Dank.