Schwüle Luft
Bettina von Arnim, née Brentano
Der Himmel ist oft hell, kann dann bald weinen,
Deckt seine klaren Augen zu,
Die erst verhüllet noch zu trauren scheinen,
So glänzest du, so scheinest du.
So traure du, so sei verlassen trübe,
Ja regne Tränen ohne Zahl
Wenn wandelbar einst unsre Liebe,
Denn solches Glück besorgt den Fall.
In wunderbar geflochtner stummer Liebe
Ist so besorglich schon die Qual,
Daß sie so gern zur Totenfeier hübe
Den froh'sten Blick zum Sternensaal.
Du stiller Winter wehest schon vom Himmel,
Ihr weißen Wolken ew'ger Schnee,
Ihr zieht schon vor die Sterne mit Getümmel,
Der Mond stürzt weinend in den See.
Hier blüht der Garten, Lilien deine Wangen
Mit Tausendschönen mischen sich,
Wo keusche Rosen schwankend überhangen,
Schwül ist die Luft für mich und dich.