Walzer in der Neujahrsnacht

Bettina von Arnim, née Brentano

Herzchen im Turme,

Schlagende Uhr,

Zeigst du im Sturme

Wechselnde Spur?

Was uns die ferne

Sonne gebracht,

Zeigen die Sterne

Dunkeler Nacht;

Himmlisch getragen

Kommt uns das Jahr,

Zwölf hat's geschlagen,

Deutlich und klar.

Fröhliche Schwestern,

Singet erfreut:

"Eben war gestern,

Eben ist heut!"

Dreht sich das Alte

Neuend zurück,

Schalte und walte

Glück und Geschick;

Herrliche Brüder,

Haltet nicht ein,

Zeitengefieder

Rauschet beim Wein.

Taumelnd beginnet,

Was sich erneut,

Wer sich besinnet,

Ist nicht erfreut.

Kindisch noch kriechet,

Lallet das Jahr,

Schauet, uns flieget

Kindisch das Haar;

Suchet nicht Kränze,

Suchet das Glas,

Hier an der Grenze

Beißt nicht ins Gras.

Immer im Dunkel

Kommet das Jahr,

Weinesgefunkel

Machet es klar,

Tropfen zu Tropfen

Reifte die Zeit,

Suchen und Hoffen

Führte uns weit.

All im Geblüte

Füllt uns die Kraft,

Fühlt wie die Blüte

Welten sich schafft.