Das Gastmahl
J. Brandts-Buys
Seiner Gäste harrt der Hausherr, eilet her und hin,
rüstet alles zum Empfange, recht nach seinem Sinn.
Alte Freunde kommen heute in gar großer Zahl
und was Küch' und Keller bergen, muß herbei zum Mahl!
Hell im Glanz des Lichtes strahlt der Gläser Zier,
stolz daneben pranget altes Prunkgeschirr.
Schweres Silber blitzt und funkelt von des Tisches Rund
und die festlich bunte Tafel tut Behagen kund.
Freundlich brennt der alte Ofen, er durchwärmet mild den Raum;
aus den dunklen Ecken schwebet halbvergessner Jugendtraum,
altvertraute liebe Bilder längst entschwund'ner Seligkeit
rufen in's Gedächtnis wieder stolze, frohe Jugendzeit.
Hohe Berge, klare Seelen, waldbekränztes Heimatland,
tauchen auf aus dunklen Tiefen, grüßen traut und wohlbekannt.
Horch! Im Hausflur schrillt die Klingel! holder Traum verblasst
und der Träumer eilt zur Türe, grüßt den ersten Gast.
Kommt darauf in rascher Folge Freund auf Freund herbei,
bis in voller Zahl versammelt ist die Kumpanei!
Scherz und munt're Laune herrschen überall,
jedes kecke Witzwort findet Widerhall!
"Nun zu Tische, liebe Kinder, alles ist bereit.
Euer harret heiße Arbeit, nützet eure Zeit!
Freund, der warme Ofenwinkel lockt mit seiner Glut!
Mehr noch wärmt den wackren Zecher feurig Rebenblut!
Essen, Trinken, Scherzen, Lachen, sei die Lösung heut!
Alter Freundschaft, fester Treue sei dies Glas geweiht!"
Nun hub an ein Zechen noch im alten Stil'
und sie aßen mächtig und sie tranken viel!
Ungezählte Flaschen lehrten sie gemeinsam aus,
hell von Übermut und Jubel klang das ganze Haus!
Frohgemut bei Morgengrauen wanket heim der letzte Gast
und dem Herrn des Hauses winket wohl verdiente späte Rast.
Wohlig streckt die müden Glieder er zur Ruh' auf's Lager hin,
holde Träume nahen freundlich seinem Schlaf umfangnen Sinn.