Lind duftig hält die Maiennacht

Bruno Oscar Klein

Lind duftig hält die Maiennacht

Jetzt Berg und Thal umfangen,

Da komm' ich durch die Büsche sacht

Zum Herrenschloß gegangen.

Im Garten rauscht der Lindenbaum,

Ich steig' in seine Äste,

Und singe aus dem grünen Raum

Hinauf zur hohen Feste:

"Jung Werner ist der glückseligste Mann

Im römischen Reich geworden!

Doch Wer sein Glück ihm angethan,

Das sagt er nicht mit Worten;

Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --

Wie wunderschön ist doch der Mai,

Feinslieb, ich thu dich grüßen!"

Im Wipfel hoch die Nachtigall

Stimmt ein mit süßem Schlagen,

Durch Berg und Thal wird weit der Schall,

Der Schall des Lieds getragen.

Drob schauen rings die Vögel auf,

Der Sang thät sie erwecken;

Bald schmettert laut der helle Hauf

Aus Busch und Zweig und Hecken:

"Jung Werner ist der glückseligste Mann

Im römischen Reich geworden!

Doch Wer sein Glück ihm angethan,

Das sagt er nicht mit Worten;

Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --

Wie wunderschön ist doch der Mai,

Feinslieb, ich thu dich grüßen!"

Die Welle hört's, die Welle bringt's

Stromabwärts an die Häuser,

Aus nebelgrauer Ferne klingt's

Zurück mir leis und leiser.

Und oben hoch im Morgenduft

Seh' ich zwei Engel fliegen,

Wie Harfenton kommt durch die Luft

Ihr Sang herabgestiegen:

"Jung Werner ist der glückseligste Mann

Im römischen Reich geworden!

Doch Wer sein Glück ihm angethan,

Das sagt er nicht mit Worten;

Das sagt er nur mit Hei Juchhei, --

Wie wunderschön ist doch der Mai,

Feinslieb, ich thu dich grüßen!"