Es ging sein Lieb zu suchen

Bruno Wandelt

Es ging sein Lieb zu suchen

Der Knabe zum grünen Wald,

Wohl unter den Eichen und Buchen

Fand er das Liebchen bald.

Die Sonne war untergegangen,

Die Sterne glänzten so klar,

Den Beiden brannten die Wangen,

Weil es so einsam war.

Und wo vorüber schreitet

Zur Tränke das scheue Reh,

Da war das Bett bereitet,

Blumen und rother Klee.

Und rings nur Duften und Schweigen,

Man hört' eines Blättchens Fall,

Am Morgen aus dämmernden Zweigen

Huschte die Nachtigall.

"Laß uns der Nachtigall binden

Das Köpfchen ins Federkleid,

Sie soll uns nicht sehen und finden,"

Sagte zum Buhlen die Maid.

"Und bindet Ihr unter die Schwingen

Mein Köpfchen mir," klang es zurück,

"Doch weiß ich's und will davon singen,

Sehnender Liebe Glück!"