Das Echo

J. Bürde

Herzliebe, gute Mutter!

O grolle nicht mit mir,

Du sahst den Hanns mich küssen,

Doch ich kann nichts dafür,

Ich will dir Alles sagen,

Doch habe nur Geduld,

Das Echo drauß' am Hügel

Beim Bügel,

Das ist an Allem Schuld.

Ich saß dort auf der Wiese,

Da hat er mich gesehn,

Doch blieb er ehrerbietig

Hübsch in der Ferne stehn,

Und sprach: "Gern trät ich näher,

Nähmst du's nicht übel auf;

Sag', bin ich dir willkommen?" -

"Kommen!"

Rief schnell das Echo drauf.

Dann kam er, - auf die Wiese

Zu mir hin setzt' er sich,

Hieß mich die schöne Lise,

Und schlang den Arm um mich,

Und bat, ich möcht' ihm sagen,

Ob ich ihm gut kann seyn?

Das wär ihm sehr erfreulich.

"Freilich!"

Rief schnell das Echo drein.

Vergnügt sagt' er mir weiter,

Er wäre mir schon oft

Von fern gefolgt, und habe

Zu sprechen mich gehofft,

Doch fruchtlos war es immer,

Denn macht' er's noch so fein,

Bemerkt hätt' ich ihn nimmer. -

"Immer!"

Fiel schnell das Echo ein.

Dieß hört' er, und hat näher

Zu rücken mir gewagt,

Er glaubte wohl

ich

hätte

Das Alles ihm gesagt:

"Erlaubst du", sprach er zärtlich:

"Daß ich als meine Braut

Dich recht vom Herzen küsse?"

"Küsse!"

Schrie jetzt das Echo laut.

Nun sieh, so ist's gekommen,

Daß Hanns mir gab den Kuß,

Das böse, böse Echo,

Es macht mir viel Verdruß,

Und jetzo wird er kommen,

Wirst sehen, sicherlich,

Und wird von dir begehren

In Ehren

Zu seinem Weibe mich.

Ist dir der Hanns, lieb Mutter,

Nicht recht zu meinem Mann,

So sag', daß ihm das Echo

Den bösen Streich gethan;

Doch glaubst du, daß wir passen

Zu einem Ehepaar,

Dann mußt du ihn nicht kränken,

Mag denken

Daß

ich

das Echo war.