Das wohlbekannte Brüderlein
C. Attenhofer
Ein wohlbekanntes Brüderlein
Fuhr auf und ab die Straßen,
Beliebt im Land bei Groß und Klein
Und lustig aus der Maßen.
War ein vielkund'ger Fabelschmied
Mit Lügen und mit Lehren,
Und keine Jungfer, wenn er schied,
Könnt' einen Kuß ihm wehren.
Das Dom das Dom das Dedededelein,
Das wohlbekannte Brüderlein.
Sein Lied stand nicht auf Pergament,
Er nannte nichts sein eigen,
Nicht Hind, nicht Kind, nicht Losament,
Nichts, als ein' alte Geigen,
Wenn er die strich, so fielen dicht
Zum Zechen ihm die Batzen,
Und trank er nicht, so sang er nicht,
Dann pfiff er was den Spatzen,
Das Dom das Dom das Dedededelein,
Das wohlbekannte Brüderlein.
Drei Würfel zucket er und lacht:
Zink, quater, sechs ums Häufel!
Da war um Halbermitternacht
Das Tagelohn zum Teufel.
Ei! rief er da, das riecht ja fein
Nach Finkenfahn und Rupfen,
Da muß ich armes Brüderlein
Wo anders unterschlupfen.
Das Dom das Dom das Dedededelein,
Das wohlbekannte Brüderlein.
Wohl unter eim Wachholderstrauch
Liegt's Dedelein begraben,
Uns' Herrgott wird mit ihm ja auch
Ein billig Einsehn haben.
Da lehnt im Gras ein Quaderstein,
Von Immergrün umzogen,
Darauf seht ihr zwei Maßkrüglein
Und einen Fiedelbogen,
Das Dom das Dom das Dedededelein,
Das wohlbekannte Brüderlein.