Mailust
C. Attenhofer
Es duftet der Maien im wonnigen Thal,
Es prangen im Bluste die Bäume,
Es winken die Berge im sonnigen Strahl,
Es leuchten die himmlischen Räume.
O freut euch des Lebens in herrlicher Luft,
O athmet die Frische, den würzigen Duft,
Der Becher des Frohsinns, er schäume!
Das Leben, es hat viel Sorgen und Schmerz;
Sie kamen wie Wolken gezogen:
Und trafen sie auch verwundend das Herz,
Doch sind sie zerstoben, verflogen,
Und kochte der Wirbel, und brauste die Fluth,
Dem frohen Gewissen, dem lustigen Muth,
Hat Eisen und Stahl sich gebogen.
Jetzt lachen die Auen, es grünet der Wald,
Der Himmel, die Herzen sind offen;
Doch rauschet der Herbst -- ach leider zu bald
Wie steht es mit Wünschen, mit Hoffen?
Und trauert der schwankende Wipfel entlaubt,
O bist du mein Freund beschenkt, beraubt,
Wie hat dich der Wechsel betroffen?
Auf dem Strome des Lebens, da segelt vorbei
Die Freude mit rosiger Fahne;
Dort ringt am Riffe, mit sterbendem Schrei,
Die Trauer in sinkendem Kahne.
Es ziehen die Fluthen, sie kennen nicht Rast,
Sie heben, sie senken die eilende Last,
Was hängst du am Krame und Wahne!
So tief im heimlichen Leben der Brust
Bewegt sich ein Kommen, ein Gehen,
Es sprossen Empfinden, Gefühle und Lust,
Sie grünen, sie blühen, verwehen.
Die rosige Liebe, der Hoffnung Traum --
Die klugen Thoren, sie nennen es Schaum --
Dem Wandel der Dinge nicht stehen.
Drum lasset des Schönen und Edlen uns freu'n,
Wann lacht die gewogene Stunde;
O laßt uns den Becher mit Blumen bestreu'n;
Danksagend ihn führen zum Munde.
O athmet des Maiens frischwürzigen Duft,
O freut euch des Lebens in herrlicher Luft,
Und Jubel erfülle die Runde.