Elegie auf die Krone ihres Geschlechts

C. Eberwein

Weh uns! auf sie im Paradies,

Die wack're Frau Therese,

So lang sie ihren Nächsten pries,

Sprach sie von Niemand böse.

Die Noth verfehlte nie ihr Haus,

Denn Niemand half behender.

Sie lieh ihr Geld den Armen aus,

Versteht sich -- gegen Pfänder.

So liebte sie die Nachbarschaft,

Als wie die beste Pfründe.

Nie zeigte sie sich lasterhaft,

Es sei denn -- in der Sünde.

In ihrem Feiertagsgewand

Von Seidenzeug und Spitzen,

Entschlief sie nie im Kirchenstand,

Es wäre denn -- im Sitzen.

Bei Männern war sie zärtlichswach,

Und immer wohlgelitten.

Der König selber ging ihr nach,

Kam sie -- voraus geschritten.

Doch bald war jeder Reitz verblüht,

Die Wange nicht mehr röthlich.

Der Doktor fand, als sie verschied,

Die letzte Krankheit -- tödtlich.

Drum laßt das ganze Männerheer

Mit einem Flor umgeben.

Wenn sie nicht schon gestorben wär,

Sie wär noch jetzt am Leben.