Das schlafende Mädchen
C. Friberth
Die Göttin süsser Freuden,
Die Nacht, stieg aus dem Meer,
Und auf entschlafnen Heiden
Sang keine Flöte mehr;
Der Mond mit blassem Scheine
Versilberte die stillen Haine.
Da führte mich die Liebe
Zu meinem Mädchen hin;
Ich fand ihr Aug oft trübe
Von Lieb und Eigensinn,
Und niemals durft ichs wagen,
Ihr was von Küssen vorzusagen.
Nachlässig hingelehnet
Schlief sie jetzt am Clavier;
Zur Ehrfurcht stets gewöhnet,
Naht ich mich nicht zu ihr;
Doch weckte ihre Wangen
Bald mehr mein zärtliches Verlangen.
Kannst du sie jetzt nicht küssen,
So küssest du sie nie.
Drauf wollt ich mich entschliessen,
Ach! da erwachte sie.
Nichts konnte mehr mich strafen,
Sie wird so schön nicht wieder schlafen.