Das kahle Grab

C. Goldmark

Aus dem Kirchhof unterm Lindenbaum,

Da ruhn zwei Liebste und sind im Traum.

Sie schlafen und träumen die lange, lange Nacht

Und lauern, lau'rn, bis der jüngste Tag erwacht.

Der Vater sprach: "Mein Töchterlein ist reich,

Ein Käthnerssohn ist ihr nicht gleich."

Die Mutter sprach: "Mein Töchterlein ist fein,

Der Vollmacht Sohn der mag sie frei'n."

Sie sprach: "Ade, mein Leben, meine Lieb',

Mein Vater mich einem Andern verschrieb."

"Das leid' ich nun und nimmermehr,

Wir Beide ruh'n in der kühlen Erde eh'r."

Da war keine Hülfe, da war kein Rath,

Da thaten sie Beide die schreckliche That.

Und war nicht Rath oder Hülf' bescheert,

So laß sie schlafen in der kühlen Erd'.

So laß sie warten zum jüngsten Tag,

Ob Gott sie zusammen erwecken mag.

Da weht in der Nacht ein Wind aus Nord,

Da ist kein rothes Blümchen, sie all' sind verdorrt.