Ström' leise

C. Goldmark

Ström' leise, du Bächlein,

Am grünenden Hang.

Ström' leise und lausche

Dem Wiegengesang.

Dort schlummert mein Liebchen

Am blumigen Saum.

Ström' leise du Bächlein,

Verschön ihren Traum.

Ihr Tauben, die drüben

Ihr streifet und girrt,

Ihr Drosseln, die drüben

Ihr pfeifet und schwirrt;

O lauschet dem Sange,

Der nun euch beschwört,

Daß nimmer die Holde

Im Schlummer ihr stört!

Wie ragen, o Bächlein,

Die Höhen so hehr.

Zu Füßen da ziehest

Du murmelnd einher.

Oft streife ich droben

Auf ragenden Au'n,

Um drunter die Hütte

Der Holden zu schau'n.

Wie schön deine Ufer

Sich schlängelnd hinziehn,

Dran Blumen so viele,

So duftig erblühn.

Da sitz' mit der Holden

Ich traulich vereint,

Wenn scheidend vom Tage

Der Abendthau weint.

Oft hat schon mein Liebchen

Der Bach mir gegrüßt,

Der murmelnd und schäumend

Am Häuschen hinfließt.

Der Glückliche hat ja

Den Fuß ihr umspült.

Der Glückliche hat ja

Den Leib ihr gekühlt.

Ström' leise mein Bächlein,

So duftig umblüht,

Ström' leise mein Bächlein

Und höre mein Lied.

Dort schlummert die Holde

Am blumigen Saum.

Ström' leise mein Bächlein

Verschön' ihren Traum.