Primavera
Gounod, Charles
Da noch währt des Winters Trauer,
nahen des Frühlings Boten schon;
März, der lacht durch Regenschauer,
März baut ihm in der Stille den Thron.
All' die Maßliebchen schön zu schmücken
ist er bedacht, heimlich und leis',
schmiedet ihnen goldene Knöpfchen,
fältelt Kräglein, die blütenweiß.
Währed raue Stürme tosen,
schreitet er unbeirrt durchs Land
und schnürt die Knospen der schlummernden Rosen
in ihr grünes Sammetgewand.
Wecket im Schilf am Uferhange,
wo nur der Hirsch säumet allein,
Schneeglöckchen, dass mit hellem Klange
sie den Frühling läuten ein.
Und unters Laub, wohl geschützt von Wettern,
streuet die Erdbeere seine Hand,
flechtet dann ein Dach von Blättern,
dich zu schützen im Sonnenbrand.
Wenn all die Arbeit dann vollendet,
bald vorbei sein Reich wird sein,
scheidend zum April gewendet
sagt er: Nun, Frühling, ziehe ein!