An das Meer

C. Hirsch

Ich lieg' auf's neu' anbetend dir zu Füßen,

Du ewig schöne, wunderbare See!

Aus tiefster Brust, laß mich auf's Neu' dich grüßen,

Du nur allein versteh'st mein heimlich Weh.

Geheimnißworte will ich mit dir tauschen,

Laß durch mein Singen deine Wogen rauschen!

O ich verstehe dich, du Wandelbare,

In deiner Wonne, deiner tiefen Qual,

In deinem Frieden, wenn der blaue, klare

Himmel dich grüßt mit heil'gem Liebesstrahl.

Am besten doch versteh' ich dein Erbeben,

Wenn sich im Sturm die Wogen brandend heben.

So sah ich dich, o See! vor wen'gen Tagen,

Wie kämpften da, wie flogen deine Wellen!

In jeder schien ein stürmisch Herz zu schlagen,

In jeder eine Brust im Kampf zu schwellen,

Aus jeder stieg ein Ton der bangen Qual --

So sangen Millionen den Choral.

Doch jetzt, wie schön! In Reue hingegossen,

Liegst du, wie Magdalena, still und groß;

Du hast des Himmels heil'ges Bild umschlossen,

Und Frieden sinkt herab in deinen Schoos,

Und über all' dein Sündigen, dein Leiden

Will er den blauen Liebesmantel breiten.