Der alte Tannenbaum

C. Hirsch

Es steht ein Tannenbaum im Wald,

Trägt Moos in seinen Haaren,

Ist über hundert Jahre alt,

Hat vieles schon erfahren.

In seinem Schatten lieg' ich gern

Und plaudre mit dem alten Herrn

Und lasse mir berichten

Viel grüne Waldgeschichten.

Der Mären weiss er mancherlei

Von Schätzen tief in Bergen,

Von einer schöner Quellenfei

Und klugen Waldgezwergen,

Auch von der Schlangenkönigin

Mit ihrem Krönlein aus Rubin,

Vom Irrlicht auf der Haide

Und von dem Nachtgejaide.

Das schönste Märlein, das er kann,

Das ist noch nicht zu Ende.

Beim Schlehenblühen hob es an,

Und jetzt ist Sonnenwende.

Es ist die ewig neue Mär

Von einer Sie und einem Er,

Von Küssen, Weigern, Bitten,

Langweilig jedem Dritten.

Dem aber, der dies Lied erdacht,

Gefällt die Mär ohn' Massen.

Er träumt von ihr in jeder Nacht

Und summt sie auf den Strassen.

Warum sie ihm so wohl behagt?

Den Tannenbaum um Kunde fragt.

Dort hat die Mär begonnen

Im Licht der Maiensonnen.