Frau Holde

C. Hirsch

Die Sterne am Himmel wallen

Und halten die Äuglein wach,

Der schönste Stern von allen

Steht über deinem Dach.

Ich liess mich von ihn führen

Durch Wiese, Wald und Moor,

Du aber schobst den Thüren

Die neidischen Riegel vor.

Wieviel ich Kieselsteine

An deine Läden warf,

Du ließt mich draußen alleine,

Die Nachtluft wehte scharf.

Und heute auf der Gassen

Nickst du mir lachend zu.

Wirst du dein Necken nicht lassen,

So weiß' ich, was ich thu'.

Ich weiß von einem Berge

Und einem Schloß darin.

Dort dienen Feien und Zwerge

Der schönsten Königin.

Sie spinnt von güldenem Rocken

Des Spätjahrs fliegenden Lein

Und hüllt in weißen Flocken

Im Winter die Erde ein.

Und ist dir meine Minne,

Du spröde Magd, zu schlecht,

So biet' ich der Königinne

Zu Diensten mich als Knecht.

Bei ihrem Minnesolde

Vergess' ich, was ich verlor. --

Mach' auf, mach' auf, Frau Holde!

Dein Buhle steht am Thor.