Das Thälchen der Heimath

C. Isenmann

Im Thälchen der Heimath, so wonnig und schön,

So traulich umschlossen von blumigen Höhn,

Da säuseln die Lüfte erquickend und mild,

Da wandelt der Friede im strahlenden Bild.

Im Thälchen der Heimath, im duftigen Grün,

Wo Veilchen und Rosen und Lilien blühn,

Da ruhet sichs lieblich am kühlenden Bach,

Da rufet das Echo den Fröhlichen nach.

Im Thälchen der Heimath, im düsteren Hain,

So magisch umflossen vom Dämmerungschein,

Da tönet der Nachtigall Zaubergesang,

Da hebt sich die Seele im mächtigen Drang.

Im Thälchen der Heimath, beim wechselnden Spiel,

Entsprossen der Jugend der Freude so viel,

Da trübet kein Kummer den heiteren Sinn,

Da eilen die Stunden geflügelt dahin.

Im Thälchen der Heimath, da weilt' ich so gern!

O trügen mich Schwingen aus neblicher Fern'

Zum reizenden Tempel noch einmal zurück,

Da wollt' ich umfassen das rosige Glück!

Im Thälchen der Heimath, da möcht' ich im Duft

Der blühenden Linde, in moosiger Gruft

Entschlummern, wenn einst mich der Abend begrüßt,

Und sterbend das sehnende Auge sich schließt!