Der Reiter und sein Lieb
C. Isenmann
Es zog ein Reiter wohl in den Krieg,
Und als er auf sein Grauroß stieg,
Da hub er an zu singen.
Und als das Mägdlein das vernahm,
Da hub sie an vor lauter Gram
Gar bitterlich zu weinen.
"Sag' an, was weinest du so sehr?
Es gibt der Reiter noch viel mehr
Auf Gottes lieber Erde." --
"O Reiter, lieber Reiter mein,
Wirst du von mir geschieden sein,
Ist auch mein Glück geschieden."
Und als das Mägdlein sprach das Wort,
Stand still das Roß, er konnte nicht fort,
Das Herz wollt' ihm zerspringen.
Und plötzlich hub er wieder an:
"Wer für sein Lieb nicht sterben kann,
Verdient nicht Lieb' und Treue!
"Da! nimm mein goldnes Ringelein!
Ade! es muß geschieden sein --
Dein bleib' ich heut und immer!"