Der Wirt zum Wassermann
C. Isenmann
Das war der Wirth zum Wassermann,
Der füllt in seine Fässer
Zum Wein ein Schöpplein dann und wann
So, meint er, sei es besser!
Am Ufer wächst der goldne Wein,
Tief unten rauscht der grüne Rhein
Herr Wirth zum Wassermanne,
Was ist in eurer Kanne?
Das war der Herr vom hohen Stein,
Der ließ sich gar nicht lumpen;
Er trank so gern vom besten Wein
Und trank in vollen Humpen.
"Tragt auf mir, daß die Tafel bricht,
Ihr wißt, das Knausern lieb' ich nicht;
Herr Wirth zum Wassermanne,
Vom besten Wein die Kanne!"
Da lief der Wirth, da sprang die Magd,
Da stand auch schon der Braten,
Und was zum Imbiß sonst behagt,
War alles wohl gerathen;
Beschwert mit Speisen war der Tisch,
So lecker lockten Fleisch und Fisch,
Nun füllt auch die Susanne,
Vom besten Wein die Kanne.
Der Ritter trinkt, was hält er jetzt
Den Becher vor die Nase?
"Herr Wirth an meinem Weine letzt
Ein Fischlein sich im Glase.
Bringt einzeln beides, Fisch und Naß,
Was schwimmt der Gründling mir im Glas?
Herr Wirth zum Wassermanne,
Was habt Ihr in der Kanne?"
Da zieht der Wirth ein schlau Gesicht:
"Herr Ritter, 's ist ein Wunder,
Doch was geschieht denn Alles nicht
In Zeiten wie jetzunder!"
Der Ritter lacht: "O nein doch, nein,
Der Fisch kommt gradweg aus dem Rhein,
Der Wirth zum Wassermanne
Goß Wasser in die Kanne!"