Der Nibelungen Hort
C. Kistler
Es war ein alter König,
Ein König an dem Rhein,
Der liebte nichts so wenig
Als Hader, Gram und Pein.
Es grollten seine Degen
Um einen Schatz im Land
Und wären schier erlegen,
Vor ihrer eignen Hand.
Da sprach er zu den Edlen:
"Was frommt euch alles Gold,
Wenn ihr mit euren Schädeln
Den Hort bezahlen sollt?
Ein Ende sei der Plage,
Versenkt es in den Rhein:
Bis zu dem jüngsten Tage
Soll's da verborgen sein!"
Da senkten es die Stolzen
Hinunter in die Flut;
Es ist wohl gar geschmolzen,
Seitdem es da geruht,
Vermählt mit den Wellen
Des Stromes, der drüber rollt,
Läßt es die Trauben schwellen,
Und glänzen gleich dem Gold.
Daß doch ein Jeder dächte
Wie dieser König gut,
Auf daß kein Leid ihn brächte
Um seinen hohen Muth.
So senkten wir hier unter
Den Kummer in den Rhein
Und tränken froh und munter
Von seinem Feuerwein.