Wehmut

C. Kistler

Ferne Wolken seh' ich ziehen,

goldgesäumt vom Abendrot,

und es stirbt im letzten Glühen

dort der Tag den süßen Tod.

In den düster'n Schleier

hüllt sich ernst die Erde ein;

und schon wallt er freier

über Flur und Hain!

Ferne Töne hör' ich klingen,

die wie Geisterlispel flieh'n;

durch die reinen Lüfte dringen

zaubersüße Melodien

mit des Zephyrs Schweben,

grüßen kaum mein lauschend Ohr,

rufen in das Leben

neuen Schmerz hervor.

Ferne Liebe grüß' ich sehnend,

längst vergang'ner Tage Bild,

und die Wimper zucket tränend,

und die Perle träufelt mild.

Ach, die ich gegrüßet,

trennte von mir weites Land,

und die Träne schwindet

spurlos in den Sand.