Seemanns Liebchen
C. Krebs
Könnt' ich athmen ohne Weh,
Wenn mein Liebster auf der See?
Ach, mit Schrecken denk' ich dran,
Daß der Feind ihn treffen kann!
Wandern mag ich her und hin,
Immer hab' ich ihn im Sinn,
Und verträume meine Zeit
Nur mit ihm, der weit -- weit!
Auf der See und weit -- weit!
Auf wilder See und weit -- weit!
Ich verträume meine Zeit
Nur mit ihm, der weit -- weit!
Wenn mein Haupt in Sommers Glut
Schmachtend auf dem Kissen ruht,
Wogt um ihn vielleicht der Kampf,
Der Kanone Pulverdampf.
Kugeln, schonet meine Lust,
Kugeln, sucht euch andre Brust!
Gerne trag' ich alles Leid,
Schont nur ihn, der weit -- weit!
Wenn in Sturm und Winternacht
Die geborstne Eiche kracht,
Und vom Meere grimm und wild
Der Kanonendonner brüllt:
Streck' ich bei dem Doppelgraus
Meine Arme betend aus,
Und die besten Wünsche weiht
Ihm mein Herz, der weit -- weit!
Friede, lass den Oelbaum blühn,
Und des Mordens Lust verglühn:
Daß der Mensch, von Bosheit frei,
Bruder seinem Bruder sei!
Schirme dann vor Klipp' und Riff,
Himmel, meines Liebsten Schiff!
In die Arm' -- o Seligkeit! --
Führ' ihn mir, der weit -- weit!
Auf der See und weit -- weit!
Auf wilder See und weit -- weit!
Ich verträume meine Zeit
Nur mit ihm, der weit -- weit!