Das tote Fagott
C. Kreutzer
Die Nacht ist so mild und so heiter,
Die Sternelein blinken so hell;
Da kommen zwei dunkle Reiter
daher im Galopp gar schnell;
Und unter der ragenden Feste
Des Ritters von Beutelschnapp,
Da springen die nächtlichen Gäste
Von den Gäulen herab.
Das ist der Ritter Otto,
Sein Knappe der Gunteram,
Der hat ein grossen Fagotto,
Den blast er gar wundersam.
Der Ritter liebt Adelgunde,
Das Fräulein von Beutelschnapp.
Drum schlägt er die Zither zur Stunde,
Drum blast den Fagotto der Knapp;
Sie spielen ein süsses Larghetto
Voll brennender Liebesglut.
Das Fräulein ward bei dem Larghetto
Gar wundersam zu Mut.
Es lockt sie ein holdes Sehnen
Hinaus auf den Söller bald;
Sie lauschet den lieblichen Tönen
Die klingen durch Flur und Wald.
Adelgunde, liebliche Minne,
Adelgunde, der Frauen Zier!
O du Eine, du Feine, du Reine,
Komm, o komm und entflieh mit mir!"
Doch ach, Adelgundes Vater
Vernahm die Musik zur Stund';
Sein Schwert genommen hat er,
Ermordet sein Kind Adelgund!
Hat auch dann den Ritter erschlagen,
Den Knappen auch stach er zu Todt.
Da nahm er mit grimmen Behagen
Als Beute den edlen Fagott!
Den hängt er im Ahnensaale
Hoch auf über seinem Sitz,
Und lacht beim vollem Pokale
Und spottet mit frevelndem Witz:
"Du schnarrender Bassgeselle!
Nun bist du auf ewig verstummt.
Ich sandte den Bläser zur Hölle -
Dein Liedel hat ausgebrummt!"
Da ziehet ein Hauch durch die Halle,
Dem Ritter wird Angst und Bang;
Mit schrecklichem Geisterschalle
Das Tote Fagott erklang!
Den Ritter fasst tödliches Wehe
Es fasst ihn grimm grausiger Graus.
Er stürzt sich von schwindelnder Höhe,
Verzweifelt zum Fenster hinaus.
Da fällt das Fagott vom Nagel
Und bricht sich das Genick.
Die Burg zerstört der Hagel -
O grausames Geschick.
Um Mitternacht da stöhnet dort
Ein grausamer Klang;
In dunklem Schauer tönet
Der Geister Zwiegesang:
Adelgunde, ja wir sind vereint!