Katzenrechte

C. Kuntze

Es hielten einst die Katzen

Ein groß Concilium,

Auf ein paar alten Matrazzen

Setzen sie sich herum.

Sie schnitten einander Fratzen

Voll süßer Höflichkeit,

Und fingen an zu schwatzen

Von der schweren Noth der Zeit.

Sie schwatzen von den Strapatzen,

Die sie schon mitgemacht,

Und von den Mäusen und Ratzen

Die sie schon umgebracht.

Sie schwatzen von ihren Hatzen

Und mancher verwegenen Jagd,

Von Rauben und Brandschatzen

An mancher Küchenmagd,

Und miteinander satzen

Sie froh sich dann zu Tisch:

Da gab es Mäuse und Spatzen,

Hühner, Wildbrät und Fisch;

Zum Dessert Judenmatzen,

Und Häringslak' als Wein;

Die Katzenköpfe platzen

In die Toaste drein.

Es schwören alle Katzen

Sich unverbrüchliche Treu',

Und brüderlich verschmatzen

Sie sich die Schnauzen dabei;

Und heben ihre Pratzen

Zum feierlichen Eid:

Zu schmeicheln und zu kratzen

In alle Ewigkeit.

Doch bald vergaßen die Katzen

Im Rausche der Einigkeit,

Und fingen an zu schwatzen

Gar manche Anzüglichkeit.

Da wurden die Sammettatzen

Zu lauter scharfen Klau'n,

Da wandelte sich das Schmatzen

In gräuliches Schlachtmiau'n.

Da gings an ein Hauen und Kratzen,

Da wechselten Biß und Hieb,

Bis jede von den Katzen

Todt auf dem Schlachtfeld blieb.

Da tanzten und pfiffen die Ratzen

Gar froh um die Leichen herum --

So endete bei den Katzen

Das große Concilium.