Des Jägers Traum. Aus dem Balladen-Cyklus "Des Kaisers Brautgeschenk."
C. Lickl
Halloh! Halloh! wie tobt die Jagd
So laut durch Berg und Thal!
Die Reh' und Hirsche fliehn verzagt
Durch Dick und Dünn zumal.
Ein Reh, das stürzt in banger Hast
Nach einem Baume hin,
Aufkeuchend hält es kurze Rast,
Um wieder schnell zu flieh'n.
"Frisch auf mein Thierlein, sieh dich vor,
Der Kaiser jagt nach dir!
Und nichts entrinnet seinem Rohr
Im waldigen Revier."
Schon eilt der junge Fürst daher
Von Waidmannslust entbrannt,
Mit Tod gefüllt ist sein Gewehr,
Der Drucker angespannt.
Rasch legt er an, bevor ihm noch
Entspringt das scheue Wild.
Da sieht er an den Zweigen hoch
Ein Muttergottesbild.
Die Waffe senket er so fort
Und spricht voll frommem Sinn:
"Du wähltest guten Zufluchtsort,
Zieh ungefährdet hin!"
Verflogen ist die Waidmannslust,
Er fühlt sich sanft bewegt,
Und athmend auf aus tiefer Brust,
Er hin zum Baum sich legt.
Der Schlaf umfängt den Müden bald,
Ihm naht ein Traum gelind,
Und zeigt ihm wandeln durch den Wald
Maria mit dem Kind.
Zahllose Blumen ringsum glüh'n,
Den schönsten Sternen gleich,
Das ist ein Leuchten, ist ein Sprüh'n,
Wie in dem Himmelreich.
Ein Seraf schwebt umher und späth sic
Die hellsten Sterne aus,
Und zu Mariens Sohn er geht
Mit einem prächt'gen Strauß.
Von Ätherblau ist Serafskleid,
Sein Antlitz, sonnenhell,
Von Schönheit, Unschuld, Seligkeit
Ein überreicher Quell.
Es neigt die himmlische Gestalt
Sich vor dem heil'gen Paar,
Und vor Entzücken süß durchwallt,
Bringt ihren Strauß sie dar.
Das Kind spielt mit den Blumen sich,
Und läßt sie fallen dann,
Und blicket mild, und gnädiglich
Den jungen Fürsten an,
Und sagt zu ihm: "Die Blumen da
Dem Engel gib zurück,
Sobald der Feste höchstes nah!
Ich send ihn dir zum Glück."
Der Kaiser knieet dankend hin, --
Da schüttelt sich der Baum,
Und weckt mit Blätterrauschen ihn
Aus seinem Wundertraum.