Fest-Gesang
C. Lorenz
Verrauscht, Jahrhunderte, auf ew'gen Schwingen
Und führt hinab, was Zeit und Staub gebar!
Zum Licht wird sich das Geistgeborne ringen,
Da ew'ge Klarheit seine Wiege war.
Die Dornenkrone, die hienieden
Des tapfern Dulders Stirn umschlingt,
Sie löset sich -- und aufwärts dringt
Aus Dornen Glorienschein und Frieden.
Der Gottheit Zeugniss in der Menschenseele
Im Streben ruht's nach dem, was wahr und schön;
Wie oft, von Furcht umgarnt, der Fuss auch fehle,
Aufschaut das Aug' zu der Vollendung Höhn.
Des Glückes launenvolle Spiele
Erkennen ihren Markstein hier,
Und aller Menschen gleiche Zier
Ist einzig Kampf um höchste Ziele.
Doch, Brüder, lasst des Lebens feste Bahnen
Uns nie in falschem Stolz verächtlich fliehn!
Es gilt, was wir als ewig Wahres ahnen,
Versöhnend in des Lebens Kreis zu ziehn.
Versinken muss dann einst die Schranke,
Die Ideal und Leben trennt,
Wenn frei in jeder That entbrennt
Des Ideales Hochgedanke.