Ingeborg's Klage

C. Lorenz

Aus ist des Sommers Lust,

Stürmend erhebt sich des Meeres Brust;

Ach, doch wie gerne da draussen

Hört' ich es brausen!

Lang noch ich stand

Eh dort im Westen sein Seegel verschwand;

Glücklich ist's, darf in die Weiten

Frithiof begleiten.

[Steige, du Well',

Also empor nicht, schon geht es ja schnell.

Leuchtet, Ihr führenden Sterne,

Ihm in die Ferne.]

Wenn Lenzluft weht,

Kommt er zurück, doch die Liebende geht

Nicht ihm entgegen im Saale,

Dort nicht im Thale.

Liegt wohl in Staub

Bleich dann und kalt schon der Liebe zum Raub;

Oder klagt heimlich und bange,

Opfer dem Zwange.

Falk', der mir blieb,

Von ihm vergessen, wie bist Du mir lieb! --

Füttre Dich, wie einst Dein Pfleger,

Fliegender Jäger.

Ihm auf die Hand

Web' ich Dich ein in des Teppiches Rand,

Silberbefiedert zu schauen,

Golden von Klauen.

Falkschwinge trug

Freia vor diesem auf irrendem Zug;

Oedur, die Lust ihres Lebens,

Sucht sie vergebens.

Liehst Du mir auch

Flügel, was frommte mir doch ihr Gebrauch? --

Kann ja der Tod mir nur bringen

Himmlische Schwingen.

Jäger so schön,

Mir von der Schulter zum Meer sollst du sehn.

Ach, ob wir sehnend auch spähen,

Nichts ist zu sehen.

Wenn ich nun todt,

Kommt er zurück, dann vollbring' mein Gebot:

Tausendmal grüss' von der Seinen,

Siehst Du ihn weinen.