Dunkel ist die Nacht

C. Mangold

Dunkel ist die Nacht,

Und die Liebe ferne,

Meine Sehnsucht wacht,

Sucht nach einem Sterne.

Leben ist verstummt

In den öden Straßen,

Drüben schwarz vermummt

Steht das Schloss verlassen.

Ausgestorben ganz

Das Gebäu mir deuchtet,

Eines Fensters Glanz

Ist allein beleuchtet.

Und da ist ein Stern

Schimmernd aufgegangen,

In dem Strahle gern

Täusch' ich mein Verlangen:

Sitzt ein Frauenbild

Hinter hellen Scheiben,

Schaffet ruhig mild,

Was sie hat zu treiben.

Liest sie ein Gedicht?

Wirkt sie zart Gesticke?

Einer Kerze Licht

Spielt mit ihrem Blicke.

Harret sie vielleicht

Eines Freund's und lauschet,

Ob's im Gässlein schleicht

Und am Pförtchen rauschet?

Doch ich seh' es ja

An den stillen Mienen,

Dass sie nur ist da, -

Mir zum Stern zu dienen.