Der Wagen rollt

C. Metzig

Hoch auf dem gelben Wagen

Sitz' ich bei'm Schwager vorn.

Vorwärts die Rosse jagen,

Lustig schmettert das Horn.

Berge und Wälder und Matten,

Wogendes Aehrengold. --

Möchte wohl ruhen im Schatten,

Aber der Wagen rollt.

Flöten hör' ich und Geigen,

Kräftiges Bassgebrumm;

Lustiges Volk im Reigen

Tanzt um die Linde herum,

Wirbelt wie Laub im Winde,

Jubelt und lacht und tollt. --

Bliebe so gern bei der Linde,

Aber der Wagen rollt.

Postillon an der Schenke

Füttert die Rosse im Flug;

Schäumendes Gerstengetränke

Bringt uns der Wirth im Krug.

Hinter den Fensterscheiben

Lacht ein Gesichtchen hold. --

Möchte so gern noch bleiben,

Aber der Wagen rollt.

Sitzt einmal ein Gerippe

Hoch auf dem Wagen vorn,

Trägt statt Peitsche die Hippe,

Stundenglas statt Horn --

Ruf' ich: "Ade ihr Lieben,

Die ihr noch bleiben wollt;

Gern wär' ich selbst noch geblieben,

Aber der Wagen rollt."